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IG Metall stellt “Sozialreport Zeitarbeit” vor

Nur ein T-Shirt pro Woche bekam er, berichtet ein Karosseriebauer bei BMW in Leipzig im Sozialreport der IG Metall. Mehr Arbeitskleidung wollte sich seine Zeitarbeitsfirma nicht leisten. Zeitarbeitnehmer werden oft ungleich behandelt, haben kaum Mitspracherechte und bekommen weniger Gehalt, sagt Andrea Weingart die Autorin des Reports. Sie sprach mit vielen Zeitarbeitern. Die meisten, wie ein Logistiker ais Sachsen, wollten lieber anonym bleiben:

“Er zeigt mir einfach seine zwei Gehaltsabrechnungen. Noch vor zwei Jahren war er beim Automobilhersteller tätig und zeigt mir 1.400 Euro als Facharbeiter und dann zeigt er mir, und heute bei meiner Zeitarbeitsfirma 800 Euro. Und er macht die gleiche Arbeit und hat diese Einbuße an Gehalt.”
Die Gewerkschaften unterschätzten das Problem Zeitarbeit lange, das gestehen sie inzwischen selbst ein. Heute gibt es fast eine Million Zeitarbeiter in Deutschland, schätzt Bodo Grzonka von der IG Metall. Das wären vier Prozent der sozialversicherpflichtigen Beschäftigten. Viele von ihnen fühlen sich als Ware, sagt Grzonka:

“Zunehmend beobachten wir ja auch, dass eben nicht mehr der Personalbereich zuständig ist, sondern der Einkauf. Egal ob das dann Schrauben oder Materialien sind oder Zeitarbeitnehmer, die werden dann auf der Einkaufsliste geführt, rein und raus und das ist eben auch die dramatische Entwicklung.”
Früher wurde Zeitarbeit vor allem genutzt um Engpässe zu überbrücken. Heute sind die Zeitarbeiter immer öfter fest eingeplant. Doch nur wenige erfahren den so genannten Klebeeffekt, sagt Olivier Höbel von der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen:

“Mit Klebeeffekt ist ja gemeint, viele von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die über Zeitarbeit in die Firmen reinkommen, bleiben dann sozusagen und rutschen rüber auf einen Dauerarbeitsplatz. Unsere Feststellung ist, maximal etwa zehn Prozent haben eine Chance rüberzurutschen.”
Statt dem Klebe- trete viel eher der Drehtüreffekt auf: Die Stammbelegschaft wird auf ein Minimum reduziert, der Rest wird mit Leiharbeitern aufgefüllt. Reguläre Arbeitsplätze würden so verdrängt, sagt Jürgen Peters, der Vorsitzende der IG Metall:

“Eine neue Abfrage in Metallunternehmen in NRW ergibt eine Verdrängung von 50 Prozent. Und wir haben ja auch Beispiele: BMW Leipzig 2.400 fest Beschäftigte und ca. 1.200 Zeitarbeitnehmer.”
Extreme Beispiele seien Infinion und Herlitz, wo Arbeitnehmern gekündigt wurde, um sie wenig später für genau die gleichen Jobs wieder einzustellen. Allerdings als Zeitarbeiter für weniger Geld.

–> Sozialreport

Geschrieben am 19.03.2007 von Oli in Arbeitsrecht, Neuigkeiten. Kommentare deaktiviert ()
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